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Abgeschlossene Studien

In unserer Forschungsabteilung wurden bereits mehrere Studien erfolgreich abgeschlossen, die wertvolle Erkenntnisse für die Behandlung und Therapie von Kindern und Jugendlichen in der Psychiatrie liefern.

Diese Studien befassten sich mit verschiedenen psychischen Erkrankungen. Die Ergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung unserer Behandlungsmethoden und tragen dazu bei, die Versorgung von jungen Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu verbessern.

VALUE-Studie

Die VALUE-Studie untersuchte, wie Jugendliche mit Essstörungen ihre Gefühle erleben und damit umgehen. Die Ergebnisse wurden mit denen von gesunden Jugendlichen verglichen.

31 Mädchen mit Essstörungen und 28 gesunde Mädchen schauten kurze Filme, die Gefühle auslösen sollten. Vor und nach den Filmen gaben sie an, wie sie sich fühlten. Außerdem wurden körperliche Reaktionen wie Gesichtsmuskeln und Hautreaktionen gemessen. Die Filme lösten teilweise Gefühle aus. Mädchen mit Essstörungen fühlten  sich nach den Filmen insgesamt weniger emotional aktiviert als die gesunden Mädchen. Die Messungen der Gesichtsmuskeln zeigten Unterschiede je nach Gefühl und Situation, aber keine klaren Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei den Hautreaktionen gab es keine Unterschiede. Jugendliche mit Essstörungen nehmen ihre Gefühle möglicherweise anders  wahr als ihr Körper darauf reagiert. Das könnte daran liegen, dass sie  ihre eigenen Körperempfindungen schlechter wahrnehmen.“

VISION-Studie

Die VISION-Studie untersuchte, wie Kinder und Jugendliche mit einer Störung des Sozialverhaltens auf die Gefühle anderer Menschen reagieren. An der Studie nahmen 40 Jungen mit einer Störung des Sozialverhaltens und 30 Jungen ohne psychische Auffälligkeiten im Alter von 10 bis 14 Jahren teil.

Während der Untersuchung trafen die Jungen mithilfe einer VR-Brille in einer virtuellen Umgebung auf neue Mitschüler, die unterschiedliche Gesichtsausdrücke zeigten (neutral, wütend, ängstlich, glücklich, traurig). Die Jungen sollten sich im ersten Teil der Untersuchung den virtuellen Mitschülern nähern, um deren Augenfarbe zu erkennen (indirekte Aufgabe). Dabei wurde gemessen, wie schnell sie gingen und welchen Abstand sie zu der anderen Person einhielten. In einem weiteren Teil sollten sie entscheiden, wie nah sie für ein Gespräch an den virtuellen Mitschüler herangehen wollten (direkte Aufgabe). Zusätzlich wurden über Fragebögen soziale Ängste und bestimmte für die Störung des Sozialverhaltens relevante Persönlichkeitsmerkmale erfasst.

Die Ergebnisse zeigten keinen Unterschied im Annäherungsverhalten beider Gruppen zu den verschiedenen virtuellen Mitschülern bei der indirekten Aufgabenstellung (Augenfarbe erkennen). Dies war unabhängig vom gezeigten Gesichtsausdruck. Bei der direkten Aufgabenstellung (Distanz für ein Gespräch einschätzen) hielten die Jungen ohne psychische Auffälligkeiten im Vergleich zu den anderen gezeigten Gesichtsausdrücken mehr Abstand zu einem wütend schauenden virtuellen Mitschüler. Die Jungen mit Störung des Sozialverhaltens passten ihren Abstand dagegen nicht an den Gesichtsausdruck des Gegenübers an. Sie gingen im Vergleich zur anderen Gruppe näher an Mitschüler mit wütendem Gesichtsausdruck heran. Geringe Abstände zu wütend schauenden Personen standen mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften in Zusammenhang.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es Jungen mit einer Störung des Sozialverhaltens schwerer fallen kann, die Gefühle anderer Menschen wahrzunehmen und zu berücksichtigen und so ihr eigenes Verhalten daran anzupassen. Schwierigkeiten beim Erkennen und Beachten von sozialen Signalen könnten zu Problemen mit anderen Kindern und Jugendlichen beitragen.

Da nur 70 Jungen untersucht wurden, sind weitere Studien mit mehr Teilnehmenden und auch weiblichen Teilnehmerinnen notwendig. Die Ergebnisse sind deshalb zunächst als Hinweise zu verstehen und sollten vorsichtig interpretiert werden.

ESCAlife-Studie

Wirksamkeit von ADHS-Therapien

Die ESCAlife-Studie (Evidence-based, Stepped Care of ADHD along the life-span) untersuchte die Wirksamkeit verschiedener ADHS-Therapien bei Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren. Die Studie war Teil des Forschungsnetzes zu psychischen Erkrankungen und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Ziel war die Optimierung einer individualisierten Behandlungsstrategie für Patientinnen und Patienten mit ADHS.

Im Rahmen der ESCAlife-Studie an der LWL-Universitätsklinik Hamm wurden unterschiedliche Behandlungsprogramme für Kinder und Jugendliche mit ADHS angeboten und evaluiert. Die Therapie orientierte sich an der jeweiligen Symptomatik und wurde an die individuelle Lebenslage der Patienten und Patientinnen und ihrer Familien angepasst.

Die Datenerhebung und Auswertung der ESCAlife-Studie sind abgeschlossen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse befinden sich derzeit in der Publikation und werden zeitnah veröffentlicht.

PRISMA-Studie

Scham, Schuld und Stolz bei Jugendlichen

PRISMA war eine Studie, die den Einfluss von Scham auf depressive Symptome bei Jugendlichen untersucht hat. In der PRISMA-Studie wurde untersucht, welchen Einfluss die Neigung zu Scham auf zwischenmenschliche Beziehungen und Fehlerüberwachung hat. Außerdem wurde angeschaut, ob Mobbingerfahrungen einen Einfluss auf Scham haben. Im Erwachsenenbereich ist bereits bekannt, dass Scham einen enormen Einfluss auf depressive Symptome hat. Bislang fehlen Ergebnisse bei Jugendlichen mit Depressionen. PRISMA hat versucht, diese Lücke zu schließen. Die Studie wurde finanziell durch die Robert-Enke-Stiftung unterstützt.

Depressive Patient:innen und gesunde Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren haben an der Studie teilgenommen. Es wurden Daten von insgesamt 124 Jugendlichen erhoben. Insgesamt waren die Jugendlichen fast zwei Stunden mit der Durchführung an der Studie beschäftigt. Sie füllten Fragebögen aus und machten zwei Aufgaben am Computer. In der einen Aufgabe sollten sie eine bestimmte Maustaste drücken, je nachdem, welche Buchstaben auf dem Bildschirm erschienen. Sie bekamen Feedback für richtige und falsche Antworten von einem:einer Mitspieler:in. In der zweiten Aufgaben teilte ein:e Mitspieler:in 10€ auf und die Teilnehmer:innen konnten sich entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder ablehnen wollen. Während der Computeraufgabe wurden die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer:innen mit einem EEG gemessen. 

Wir fanden heraus, dass die Jugendlichen, die in ihrer Kindheit und Jugend Mobbingerfahrungen gemacht haben, eher zu Scham neigen und dass diese Schamneigung zu depressiven Symptomen beiträgt. Wir fanden aber auch heraus, was gegen die negativen Auswirkungen von Mobbing hilft: Wer selbstbezogene Freundlichkeit zeigt, das heißt, wer geduldig und liebevoll mit sich umgeht, der ist besser vor depressiven Symptomen und Scham geschützt, auch wenn er Mobbing erfahren hat.

Die Aufgaben am Computer zeigten, dass die Jugendlichen, die berichteten, zu Scham zu neigen, unfaire Angebote ihrer Mitspieler:innen eher ablehnten. Wenn ihnen also von den 10€, die die Mitspieler:innen aufteilen sollten, nur 3€ oder weniger angeboten wurden, wollten sie lieber gar kein Geld als unfair behandelt zu werden. Jugendliche, die eher nicht zu Scham neigen, nahmen auch die unfairen Angebote an. Die Gehirnaktivität unterschied sich auch zwischen den Jugendlichen mit und ohne Neigung zu Scham: zu Scham neigende Jugendliche beobachteten ihre Fehler genauer. Wir vermuten, dass sie damit versuchen, weniger Fehler zu machen, die dann zu einem Schamgefühl führen. Da Scham ein sehr unangenehmes und schmerzhaftes Gefühl ist, ließe sich das gut verstehen.

IMAC-Studie

„Achtsamkeitsbasierte Gruppentherapie bei Jugendlichen mit Suchthintergrund im stationären Setting“

Um die Behandlung von Suchterkrankungen bei Jugendlichen zu verbessern, wurde in dieser Studie die Wirksamkeit einer achtsamkeitsbasierten Gruppentherapie im stationären Setting untersucht. Während solche Ansätze bei Erwachsenen mit Suchtproblemen und anderen psychischen Erkrankungen bereits erfolgreich angewendet werden, gibt es nur wenige Studien zu ihrer Wirkung bei Jugendlichen mit Suchterkrankung. Erste Untersuchungen aus dem englischsprachigen Raum zeigen vielversprechende Ergebnisse, doch bislang fehlten Therapiemanuale und wissenschaftliche Belege für den deutschsprachigen Raum.

In der aktuellen Studie wurden 84 Jugendliche mit Cannabisabhängigkeit zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt die übliche Suchtbehandlung, während die andere Gruppe zusätzlich an der achtsamkeitsbasierten Gruppentherapie „Mind it!“ teilnahm. Ziel war es zu prüfen, ob die Kombination aus der üblichen Behandlung und Achtsamkeitsinterventionen langfristig zu einer stärkeren Reduktion des Cannabiskonsums führt.

Die Ergebnisse zeigen, dass beide Gruppen ihren Cannabiskonsum nach sechs Monaten deutlich reduzierten. Obwohl sich direkt nach der Behandlung geringfügige zusätzliche Vorteile für „Mind it!“ zeigten – insbesondere eine Verringerung von Suchtdruck und Schweregrad der Abhängigkeit –, berichteten die Teilnehmer der Standardbehandlung insgesamt längerfristige Effekte hinsichtlich der Reduktion des Schweregrads der Suchterkrankung und des Belohnungssuchtverhaltens. Gleichzeitig zeigte sich bei „Mind it!“ eine nachhaltigere Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeiten (Achtsamkeit).

Die Studie zeigt, dass Achtsamkeitsinterventionen für Jugendliche mit Suchterkrankungen umsetzbar sind, aber die Ergebnisse nicht durchgehend stabil bleiben. Vor allem die Umsetzung als zusätzliches Therapieangebot über einen Zeitraum von 8 Wochen erwies sich als herausfordernd und ging mit einer höheren Abbruchrate einher. Dies erschwert die Interpretation der Ergebnisse.  Zukünftige Programme sollten daher stärker darauf achten, eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme der Jugendlichen zu fördern, um belastbarere Aussagen zur Wirksamkeit von achtsamkeitsbasierten Behandlungsangeboten für Patient:innen mit Suchterkrankung im stationären Setting machen zu können.

Publikation:

Legenbauer, T., Baldus, C., Jörke, C., Kaffke, L., Pepic, C., Daubmann, A., Zapf, A., Holtmann, M.,  Arnaud, N. & Thomasius, R. (2024). Mind it! A mindfulness-based group psychotherapy for substance use disorders in adolescent inpatients. Eur Child Adolesc Psychiatry 33, 4205–4217 (2024). https://doi.org/10.1007/s00787-024-02465-z

DeLight-Studie

Wirksamkeit von Lichttherapie

Die DeLight-Studie untersuchte den Einsatz von Lichttherapie als ergänzende Behandlung für Jugendliche mit mittelschweren bis schweren Depressionen während ihres stationären Aufenthalts. Zwischen März 2018 und November 2020 nahmen insgesamt 224 Jugendliche aus vier Kinder- und Jugendpsychiatrien (Hamm, Rostock, Neuruppin, Hamburg) an der Studie teil. Die Stichprobe bestand aus 32 Jungen und 192 Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren (Durchschnittsalter: 15,5 Jahre, Standardabweichung: 1,4 Jahre).

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt: 116 Jugendliche erhielten über einen Zeitraum von vier Wochen eine morgendliche Lichttherapie mit einer Lichtbrille von 10.000 Lux (Interventionsgruppe). In der Kontroll-Gruppe erhielten 111 Jugendliche eine Lichttherapie mit rotem Licht und deutlich geringerer Lux-Zahl über denselben Zeitraum. Die Ergebnisse zeigen, dass in beiden Gruppen über die Zeit ein Rückgang der depressiven Symptomatik beobachtet wurde. Lichttherapie mit einer hohen Lichtdosis brachte keinen zusätzlich anti-depressiven Effekt. Alle Patient:innen profitierten von der stationären Behandlung und zeigten eine Verbesserung der Stimmung, unabhängig von der Lichttherapie. Möglicherweise ist eine zusätzliche Lichttherapie eher bei weniger schweren Verläufen und im ambulanten Setting sinnvoll. Um eindeutige Empfehlungen aussprechen zu können, sind jedoch weitere Forschungsarbeiten erforderlich.

Publikation:

Legenbauer, T., Kirschbaum-Lesch, I., Jörke, C., Kölch, M., Reis, O., Berger, C., Dück, A., Schulte- Markwort, M., Becker-Hebly, I., Bienioschek, S., Schroth, J., Ruckes, C., Deuster, O., & Holtmann, M. (2024). Bright Light Therapy as Add-On to Inpatient Treatment in Youth With    Moderate to Severe Depression: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. Advance online publication. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2024.0103