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Frauen in der Wissenschaft: Dr. Laura Derks arbeitet in der Forschungsabteilung

Der 11. Februar erinnert weltweit an den Beitrag von Frauen in der Wissenschaft. An diesem Tag wird die Chancengleichheit, Sichtbarkeit und Beteiligung von Wissenschaftlerinnen in Forschung, Lehre und Wissenschaft besonders gewürdigt. Unsere Kollegin Dr. Laura Derks arbeitet seit neun Jahren in der Forschungsabteilung und hat vor kurzem erfolgreich ihre Promotion abgeschlossen. Im Gespräch mit Laura Derks erhalten wir Einblicke in eine vielseitige Karriere in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin verbindet Forschung, klinische Praxis und Formate wie Jugendbeirat und Podcast, um junge Menschen stärker in Entscheidungen zu beteiligen.

Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Promotionsarbeit! Was war das Thema Ihrer Arbeit?

Laura Derks: In meiner Promotionsarbeit habe ich untersucht, wie bestimmte Persönlichkeitszüge unser zwischenmenschliches Verhalten beeinflussen. Ein Beispiel: Wie viel Abstand wir zu anderen Menschen halten. Dazu habe ich Kinder und Jugendliche mit einer Störung des Sozialverhaltens beobachtet und ihr Verhalten mit dem von Kindern ohne psychische Erkrankung verglichen.

Was kam dabei heraus?

Laura Derks: Dabei kam heraus, dass Kinder und Jugendliche mit Störungen des Sozialverhaltens Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Körperabstand an die Gefühle Gleichaltriger anzupassen. Unabhängig davon, welchen Gesichtsausdruck ein virtueller Klassenkamerad in der Studie zeigte, hielten die Teilnehmenden mit einer Störung des Sozialverhaltens stets denselben Abstand. Die Kontrollgruppe ohne psychische Auffälligkeiten passte ihren Abstand dagegen an: Bei einem lächelnden Klassenkameraden hielten sie weniger Abstand als bei einem wütend schauenden.

Welche Aspekte Ihrer täglichen Arbeit begeistern Sie am meisten?

Laura Derks: Am meisten begeistert mich die Vielfältigkeit meiner Arbeit. Ich plane, entwickle und führe neue Forschungsprojekte durch und werte diese aus. Außerdem arbeitet ich partizipativ im Jugendbeirat und im Podcast mit. Hinzu kommen Einzel- oder Gruppentherapien. All das zusammen macht mir großen Spaß.

Gab es Schlüsselmomente oder Wendepunkte in Ihrer Karriere, die Sie geprägt haben?

Laura Derks: Direkt im Masterpraktikum hier in der Klinik gab es zwei Schlüsselmomente, die mich geprägt haben. Zum einen hatte ich auf der Station A06 mit Michaela Wrede eine tolle Anleiterin, die mich darin bestärkt hat, im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu bleiben. Zum anderen ermöglichte mir Frau Legenbauer im Praktikum, für meine Masterarbeit ein eigenes Forschungsprojekt durchzuführen. Dieser Vertrauensvorschuss war unglaublich wertvoll für mich, und das Projekt hat mich nachhaltig für die Forschung und die Forschungsabteilung begeistert. Danach gab es im Podcast und im Jugendbeirat immer wieder weitere Schlüsselmomente, die mir zeigen, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche direkt mit einzubeziehen und ihnen eine Stimme zu geben.

Welche Fragestellung treibt Sie aktuell am meisten an?

Laura Derks: Konzeptuell interessiert mich, wie wir die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an Forschungsprojekten und auch an Behandlungen stärker machen können – damit junge Menschen mehr eine Stimme bekommen. In der Forschung arbeite ich daran, digitale Kurzinterventionen zu entwickeln und zu nutzen. Ziel ist, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die wir mit der klassischen Psychotherapie oft nicht gut erreichen. Zudem möchte man untersuchen, wie diese kurzen digitalen Angebote Jugendliche unterstützen können, die erste Symptome zeigen, damit nicht sofort ein Vollbild einer psychischen Erkrankung entsteht. Angesichts der langen Wartelisten in der Versorgung ist dies gerade besonders wichtig.

Was schätzten Sie besonders an Ihrem Arbeitsumfeld oder an Ihrer Abteilung?

Laura Derks: An meiner Abteilung schätze ich das gute Arbeitsklima. In der Forschung herrscht fast immer eine fröhliche Grundstimmung, und alle arbeiten sehr kollegial miteinander. Außerdem ist die Arbeit abwechslungsreich, und jeder kann eigene Ideen und Impulse einbringen.

Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie aktuell für Frauen in Ihrem Forschungsfeld?

Laura Derks: Da fällt mir nicht viel ein. In der Psychologie sind Frauen ja ohnehin stärker vertreten. Meiner Ansicht nach ist die größte Herausforderung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aus meiner Sicht sind Väter hier gefragt: Sie sollten Elternzeit nehmen und danach die Kinderbetreuung fair aufteilen.

Welche Art von Mentoring hat Ihnen geholfen, und wie können Sie diese weitergeben?

Laura Derks: Wie bereits erwähnt war es für mich sehr hilfreich, direkt mit meinem eigenen Forschungsprojekt starten zu können. Dass ich eigene Ideen einbringen, Gehör finden und sie umsetzen durfte, hat mich stark motiviert. Das möchte ich natürlich auch an die Doktorand:innen weitergeben, die ich betreue.

Welche Ziele haben Sie persönlich für Ihre weitere Karriere?

Laura Derks: Ich möchte weiterhin abwechslungsreich arbeiten. Die Mischung aus Forschung und Therapie gefällt mir sehr gut, und das möchte ich auf jeden Fall beibehalten. Konkrete Karriereziele habe ich nicht; ich schaue eher, was im Moment gut zu mir passt.