Kontakt halten und Aufgaben besprechen - Daniel Skoda unterrichtet in der Schule am Heithof die Patientinnen und Patienten der LWL-Universitätsklinik Hamm. Auch für diese besondere Schulform – eine Schule für Kranke – gilt das Lernen auf Distanz.

Schule positiv erleben beim Lernen auf Distanz

LWL-Schule im Heithof bietet Unterstützung in ganz besonderen Zeiten

Pressemeldung vom 18.02.21

Hamm (lwl). Homeschooling ist seit vielen Wochen und Monaten zur neuen Realität für Kinder und Jugendliche geworden. Auch die LWL-Schule im Heithof – eine Schule für Kranke – darf den Schulunterricht für die Patientinnen und Patienten der kinder- und jungendpsychiatrischen Universitätsklinik Hamm in der Trägerschaft des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) nur auf Distanz fortführen. Das ist für Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in der Klinik behandelt werden, eine ganz besonders große Herausforderung. „Unser Kollegium ist im Umgang mit Medien gut geschult“, – eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Schulunterricht unter Corona-Bedingungen – sagt Daniel Skoda, Lehrer an der Schule im Heithof. „Aktuell bieten wir jeden Tag eine Notbetreuung über zwei Schulstunden zusätzlich zum Lernen auf Distanz an.“ Doch auch hier ist eine intensive Begleitung wichtig, damit sich Kinder und Jugendliche während ihre Klinikaufenthaltes nicht alleine fühlen, einen strukturierten Tagesablauf haben und Schule positiv erleben.

 

Funktioniert das Lernen auf Distanz auch für die Patientinnen und Patienten der Klinik?

Daniel Skoda: Grundsätzlich ja - die tägliche Notbetreuung hilft, um Kontakt zu halten und die Aufgaben zu besprechen. Ebenso können die Lernenden so ein Stück weit Schule erleben, statt nur im Distanzlernen zu verharren. Die Zusammenarbeit mit den Heimatschulen läuft zudem schon länger vermehrt auf digitalem Wege, ist aber in diesen Zeiten natürlich besonders wichtig. Technisch ist unsere Schule darüber hinaus sehr gut aufgestellt, sodass wir theoretisch sogar Zoom-Meetings ermöglichen könnten, sofern dies individualpädagogisch sinnvoll ist.

 

Welche Besonderheiten müssen berücksichtigt werden, damit Kinder und Jugendlichen während ihres Klinikaufenthaltes nicht im doppelten Sinne abgehängt werden?

Daniel Skoda: Während die Heimatschulen täglich Aufgaben schicken oder Zoom-Meetings abhalten, gilt es für uns zu schauen, was die Schülerinnen brauchen und wie man Schule aktuell sinnvoll in den Klinikaufenthalt einbetten kann. Dank der exzellenten Ausstattung unserer Schule ist unser Kollegium im Umgang mit Medien gut geschult und auch die Lernplattform IServ nutzen wir schon länger. Viele Heimatschulen nutzen diese nun auch, wodurch wir den Lernenden natürlich gut helfen können. Eine gute Absprache ist wichtig, sowohl mit den Stationen als auch mit den Heimatschulen, um zu sehen, wer was braucht und auch wie viel er schaffen kann. Eine gute Struktur sowie die Aufbereitung der Materialien in überschaubare Aufgaben helfen dabei, damit die Patientinnen und Patienten Schule auch in dieser Zeit positiv erleben können. Aktuell ist es für uns eine ähnliche Herausforderung wie für die Regelschulen auch. Das oberste Ziel ist natürlich, dass alle geschützt werden und hinsichtlich COVID gesund bleiben. Darüber hinaus lernen wir gerade jetzt ganz viel Neues und geben unser Bestes, unseren Beitrag zum jeweiligen Aufenthalt der Patienten zu leisten.

 

Für wen funktioniert Distanzlernen an der Schule für Kranke gut und wo liegen die Herausforderungen?

Daniel Skoda: Im Distanzlernen steckt ein Wort, das mit unserer Arbeit eigentlich gar nicht vereinbar ist. Sicherlich arrangieren wir uns aktuell mit dieser Art des Unterrichts. Aber wie schon das Motto unser Schule „gemeinsam beziehungsweise individuell“ verrät, sind die Beziehungsarbeit sowie gemeinsamen Rituale (z.B. Morgenkreis, Logo-Nachrichten, Hauswirtschaft und Besondere Unterrichtsangebote) und die individuelle Förderung ganz zentrale Elemente unserer Arbeit. Daher fehlt uns der normale Präsenzunterricht schon sehr. An den Heimatschulen funktioniert das Distanzlernen im Allgemeinen gut, soweit wir das beurteilen können. Insbesondere für jüngere Schülerinnen sind es herausfordernde Zeiten, da sie eine sehr enge Betreuung benötigen. Das selbstständige Arbeiten (Aufgaben herunterladen, bearbeiten und die Ergebnisse wieder hochladen) erfordert ein hohes Maß an strukturiertem Vorgehen, persönlichen Antrieb und hoher Konzentration. Bei älteren Schülerinnen von weiterführenden Schulen kann dies natürlich besser gelingen, aber auch hier bedarf es einer individuellen Betrachtungsweise.

 

Welche Rückmeldungen geben die Schülerinnen und Schüler?

Daniel Skoda: Die Rückmeldungen fallen ganz unterschiedlich aus: Für viele Jugendliche entsteht ein gewisser Druck, weil sie nun täglich auf den Lernplattformen der Heimatschulen sehen können, was ihre Klasse gerade im Unterricht macht. Gleichzeitig bleiben Inhalte von Videokonferenzen jedoch teilweise unklar und die Schülerinnen haben Angst, etwas zu verpassen und nicht hinterher zu kommen. Hier ist Kommunikation ganz wichtig. Andere wiederum sind einfach dankbar, dass wir eine tägliche Betreuung anbieten und somit das Gefühl von Schule vermittelt wird.

 

Gibt es Formen des digitalen Unterrichts, die auch nach der Pandemie genutzt werden?

Daniel Skoda: Grundsätzlich werden die Heimatschulen sicherlich an den Lernplattformen festhalten, wodurch Lernende, die beispielsweise länger erkrankt sind, vielleicht von Zuhause aus dazu geschaltet werden können. Für uns kann all das an Tagen hilfreich sein, an denen Jugendlichen aus verschiedenen Gründen auf der Station bleiben. Ich denke aber, dass alle Beteiligten den Präsenzunterricht, auch unter Einbeziehung digitaler Medien, bevorzugen. Eine Form, die wir im Kollegium jedoch sicherlich weiter nutzen werden, sind die Videokonferenzen für Besprechungen und Absprachen.