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„Herausforderungen sind wichtig, um sich weiterzuentwickeln.“

Karriere beim Pflege- und Erziehungsdienst

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern, Prozesse und Strukturen gestalten, Ideen und Lösungen entwickeln – für Patrick Walter war schnell klar, dass er gerne Führungsverantwortung übernehmen möchte. Der 35-jährige leitet übergreifend die beiden Kinderstationen A5 und A6 an der LWL-Universitätsklinik Hamm. Nun hat er auch sein Bachelorstudium Management im Sozial- und Gesundheitswesen“ erfolgreich absolviert. Neben dem theoretischen Wissen hat der gelernte Erzieher vor allem eines mitgenommen: Wie wichtig es ist, sich selbst als Führungskraft und die eigene Arbeit regelmäßig zu reflektieren.

Beginnen wir mit einer kleinen Aufwärmfrage. Mit welchen drei Worten würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich denke, die Worte „gewissenhaft, zielstrebig und mitarbeiterorientiert“ treffen es ganz gut. Vor allem Letzteres ist als Führungskraft meiner Meinung nach essenziell und wird mit der Zeit auch immer wichtiger.

Inzwischen sind Sie übergreifende Stationsleitung der Stationen A5 und A6. Werfen wir doch einen kurzen Blick zurück auf Ihren beruflichen Werdegang. Wie sieht der aus?

Angefangen hat alles mit meiner Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Ich habe mein Anerkennungsjahr hier an der LWL-Universitätsklinik Hamm, auf der Station A10 gemacht. Das ist eine Station mit einem Schwerpunkt in der Suchtbehandlung. Fünf Jahre später habe ich die stellvertretende Stationsleitung übernommen. Dann wechselte ich auf die Station B1, die Rehabilitationsstation für ehemalige Suchtpatientinnen und -patienten, und trat dort die Stelle als Stationsleitung an. Inzwischen leite ich seit drei Jahren übergreifend die Kinderstationen A5 und A6. Zeitgleich habe ich auch das Studium absolviert. Dass ich die Möglichkeit hatte und habe, in so viele unterschiedliche Bereiche zu gehen – das war damals auch der Grund, warum ich mich für die Klinik hier entschieden habe.

Welche Aufgaben übernehmen Sie als übergreifende Stationsleitung?

In meinen Arbeitsbereich fallen sämtliche administrative Aufgaben. In Zusammenarbeit mit den Teamleitern sorge ich dafür, dass auf den Stationen alles möglichst reibungslos läuft, dass wir neue Behandlungsansätze integrieren und die Patientenversorgung nach vorne bringen. Auch die Personalplanung und -entwicklung fallen in meinen Verantwortungsbereich.

Welche Momente schätzen Sie bei den ganzen Aufgaben im Arbeitsalltag am meisten?

Wenn aus kleinen Ideen der Kolleginnen und Kollegen tolle Projekte entstehen – das sind für mich unter anderem die schönsten Momente. Sich dann gemeinsam Konzepte zu überlegen, damit die Dinge Hand und Fuß bekommen, ist immer eine spannende Sache. Ebenso spannend ist es für mich, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Werdegang zu unterstützen, Talente auf den Stationen zu entdecken und sie dann dabei zu begleiten, sich gemäß ihren Interessen und Vorlieben weiterzubilden. Die Personalentwicklung ist für mich das A und O. Man hat hier an der Klinik viele Möglichkeiten, voranzukommen. Die sollte man auch nutzen.

War das auch der Grund für Ihre Entscheidung, ein Studium zu beginnen: Der Wunsch, noch weiter voranzukommen?

Ich bin recht schnell in eine Leitungsfunktion gekommen und habe sehr früh gemerkt, dass das mein Weg ist, dass ich gerne Verantwortung übernehme. Nach der Übernahme der übergreifenden Stationsleitung war ein Studium der nächste logische Schritt. Ich dachte mir: Okay, ich probiere es mal. Ein paar Jahre zuvor hätte ich niemals gedacht, dass ich mal studieren würde! Und ich muss auch sagen, dass mein Respekt vor dem Studium sehr groß war! Aber ich hatte von Anfang an die Unterstützung meines Arbeitgebers, durfte z.B. Arbeitszeit nutzen, um mich dem Studium zu widmen. Schließlich habe ich es durchgezogen, die Noten haben gepasst, alles gut. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, auch wenn es zeitlich natürlich eine große Herausforderung war. Neben dem Stationsalltag Hausarbeiten schreiben, für mündliche Prüfungen und Klausuren lernen, sich mit der Theorie ausführlich auseinandersetzen… die ein oder andere Nachtschicht blieb nicht aus.

Sie haben „Management im Sozial- und Gesundheitswesen“ an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld studiert. Inwiefern lassen sich die theoretischen Inhalte in den Arbeitsalltag integrieren?

Was mir durch das Studium deutlich leichter fällt: Mein eigenes Verhalten zu reflektieren. Sich selbst zu fragen, was für eine Führungskraft möchte ich sein? Ich habe sehr viel theoretisches Handwerkszeug mitbekommen. Viele Themen, mit denen ich mich während der Studienzeit auseinandergesetzt habe, begegnen mir täglich im Arbeitsalltag. Da wäre zum Beispiel das Thema „Change Management“. In der Klinik werden wir immerzu mit Veränderungen konfrontiert. Die Patientinnen und Patienten verändern sich, die Probleme von Kindern und Jugendlichen verändern sich, genauso wie die Patientenversorgung. Die Klinik muss auf Einflüsse aus Umwelt, Politik und Gesellschaft reagieren. Die Kolleginnen und Kollegen müssen da mitgenommen werden.  Auch Themen wie das Recruiting oder die Mitarbeiterkommunikation waren für mich sehr spannend. Wie geht man als Führungskraft mit Konflikten um? Wie erreicht man qualifiziertes Fachpersonal? Hier habe ich viele Anregungen und Ideen bekommen.

Beenden Sie den Satz: Herausforderungen sind…

… für mich wichtig, um mich immer wieder weiterzuentwickeln. An Herausforderungen kann man wachsen, aus Fehlern kann man lernen. Wichtig ist: Immer am Ball bleiben, den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich finde, ohne Herausforderungen wäre es ganz schön langweilig.

Wenn Sie auf Ihre berufliche Laufbahn zurückblicken, würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Nein, es dürfte gerne wieder so laufen.

Und wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Wer weiß schon, was in zehn Jahren sein wird. Wichtig ist mir, immer nah am Personal zu bleiben, die Personalentwicklung mitzugestalten. Und natürlich ist es auch mein Ziel, weiter voran zu kommen, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und die Qualifikationen, die ich nun auch durch das Studium erworben habe, in meine Arbeit mit einfließen zu lassen.