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Ex-Häftling Maximilian Pollux (2. v.r.) berichtet auf Einladung der LWL-Universitätsklinik Hamm über die Schattenseiten eines Gangsters. (v.l.): Martin Naumann, Katharina Kleps, Autor Maximilian Pollux und Roland Heiselmeier. Foto: LWL

Ehemaliger Krimineller berichtet aus seinem Leben

Workshop über die Schattenseiten eines Gangsters in der LWL-Universitätsklinik Hamm

Pressemeldung vom 24.08.2020

Hamm (lwl). Drogen, Kriminalität und Knast – lange Zeit bestimmten sie das Leben des Ex-Kriminellen Maximilian Pollux. Er weiß, wovon er spricht, und berichtet realistisch über seinen damaligen Alltag vor Jugendlichen in der LWL-Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamm.

 

Die Suche nach Vorbildern

Bereits zum dritten Mal besuchte Ex-Häftling und Buchautor Maximilian Pollux die Fachklinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für einen Workshop mit Jugendlichen, um über sein kriminelles Handeln und den Alltag eines Gangsters zu berichten. Im Austausch mit den Patienten erarbeitet er die Motive für kriminelles Handeln. „Wie sieht für euch der perfekte Erwachsene aus und was macht diese Person zu einem Vorbild?“, fragt Pollux in die Runde. Die Übernahme von Verantwortung und Ehrlichkeit, lautet die Rückmeldung der Zuhörer, seien eng verknüpft mit dem Idealbild eines Erwachsenen. Pollux hinterfragt, aus welchen Motiven die Jugendlichen teilweise selbst straffällig wurden und wie sich diese Motive mit den Idealvorstellungen eines perfekten Erwachsenen decken. Es ist sehr still unter den jugendlichen Zuhörerinnen und Zuhörern, die aus dem Bereich der Suchtstation aufmerksam zuhören und aktiv mitmachen.

 

Kriminelle sind keine romantische Helden

Pollux Geschichten sind authentisch, wenn er von den Anfängen seiner eigenen kriminellen Karriere erzählt: Mit 14 Jahren begann seine Laufbahn als Drogendealer – damals fühlte er sich vom scheinbaren Glanz anderer Krimineller angezogen, in denen er ein Vorbild sah. Und dann war da noch der Traum vom schnellen Reichtum. Mit 16 dealt er mit Drogen und Waffen, ist ständig auf der Flucht, die sehr anstrengend ist und viel Geld kostet. Er wird geschnappt und kommt für zehn Jahre ins Gefängnis. Dort stellt er nach einigen Jahren fest, dass Kriminelle für ihn keine romantische Helden und Vorbilder mehr sind. Ehemalige Häftlinge kommen frei, kehren jedoch nach einiger Zeit zurück ins Gefängnis. Sie können sich nur schlecht von alten Gewohnheiten trennen und sind nicht in der Lage, sich ein neues Leben aufzubauen. Die bittere Erkenntnis: Alles, woran er geglaubt hatte, gab es in der Realität nicht. So setzte langsam ein Umdenken ein, indem er kritisch über sein bisheriges Leben nachgedacht hat und das Erlebte in Form von Kurzgeschichten aufschrieb. Es ist der Beginn eines neuen Lebens für ihn und nach seiner Entlassung ein erster Schritt in die Präventionsarbeit, die er heute leistet. Mit seinen authentischen Berichten gibt er gefährdeten Jugendlichen wichtige Impulse und berät auch ihre Eltern. Gleichzeitig möchte er ein Vorbild für Jugendliche sein und aufzeigen, wie wichtig ein Leben jenseits von Kriminalität ist. Zum Abschluss schrieben alle Jugendlichen einen Brief an einen derzeit Gefangenen, der im Affekt einen Menschen getötet hat. Hier konnten sie ihre Gedanken zur Tat und dem Menschen hinter dem Unglück aufschreiben.

 

Über Maximilian Pollux:

Maximilian Pollux war selbst ein jugendlicher Intensivtäter und verbrachte fast zehn Jahre in Haft. Nach seiner Entlassung veröffentlichte er mehrere Bücher zum Thema Kriminalität und wurde Gründungsmitglied des Vereins „SichtWaisen e.V.“ in Mainz. Er ist ausgebildeter Anti-Gewalt-Trainer und leitete bisher über 200 Workshops im gesamten deutschsprachigen Raum. Das Engagement des 36-Jährigen reicht vom Eliteinternat zur Brennpunktschule, über Jugendhäuser und Gefängnisse, bis hin zur persönlichen Betreuung von Jugendlichen und deren Angehörigen.
www.sichtwaisen-ev.de

Pressekontakt:

Klaudia Suilmann, LWL-Universitätsklinik Hamm, Telefon: 02381 893-5018, klaudia.suilmann@lwl.org