Blicken zurück auf 50 Jahre Suchtbehandlung in der LWL-Universitätsklinik Hamm. Stellvertretend für das ganze Team der Suchttherapie-Station B1 und B2 (v.l.): Dr. Moritz Noack und Aleksey Alakbarov, Oberärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

50 Jahre Suchttherapie in der LWL-Universitätsklinik Hamm

Mehrstufiges Therapiekonzept als Vorreiter für Suchtbehandlung für Jugendliche und junge Erwachsene

Hamm (lwl). Seit 50 Jahren bietet die LWL-Universitätsklinik in Hamm eine spezielle Suchttherapie für Jugendliche und junge Erwachsene an. 1970 startete das Angebot mit neun Betten und war eine der ersten spezialisierten Suchtbehandlungen in einer psychiatrischen Klinik in Deutschland. Heute ist die vernetzte und übergreifende Therapie von der Suchtambulanz bis zu Nachsorge anerkannt.

Zum Beispiel Tom (Name geändert): er war 15 Jahre, als er zum ersten Mal Marihuana ausprobierte. „Meine Freunde haben damit angefangen, ich habe irgendwann einfach mitgemacht. Und dann gemerkt, dass mich das entspannt und alle Probleme wegmacht.“ Er kiffte, nahm schließlich Amphetamine, so viel davon, dass er es kaum noch in die Schule schaffte. So konnte es nicht weitergehen, dachte Tom und meldetet sich zur Therapie in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) an. Seine Patientengeschichte steht für viele andere, die ähnlich beginnen.

 

Einen Ausweg aus der Abhängigkeit junger Menschen bietet die Hammer Fachklinik mit seiner spezialisierten Suchtbehandlung „Drug-Out“, die in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen feiert. „Es war 1970 noch keine Selbstverständlichkeit, spezialisierte Suchtbehandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus durchzuführen“, erläutert der Oberarzt Dr. Moritz Noack, der heute in der Abteilung für Suchttherapie der Universitätsklinik Hamm tätig ist. „Die ersten Angebote der neuen Suchthilfe organisierten sich zumeist außerhalb der Kliniken, hier mussten erst Hemmschwellen und Berührungsängste - sowohl auf Seiten der jugendlichen Patienten als auch der Psychiatrie - überwunden werden.“ So wurden die ersten neun Betten zur Behandlung von drogenkonsumierenden Jungen und Mädchen in der Klinik eingerichtet. Dieses spezialisierte stationäre Therapieangebot zählt zu den ersten Suchtbehandlungskonzepten für diese Altersgruppe in Deutschland und war zum damaligen Zeitpunkt eine Innovation, die – anders als heute – als Behandlungsform nicht unumstritten war. „In den darauffolgenden Jahren konnte eine ständige Entwicklung der therapeutischen und psychiatrischen Behandlungskonzepte in der Abteilung für Suchttherapie durch Erhöhung der Bettenzahlen, Schaffungen von speziellen Angeboten in der Klinikschule und im internen Arbeitstraining erweitert und ausdifferenziert werden und sich als festes regionales und überregionales Behandlungskonzept etablieren“, erklärt Aleksey Alakbarov, Oberarzt auf der Station „Qualifizierte Entzugsbehandlung“.

 

Von der Suchtambulanz bis zur Nachsorge

Die LWL-Uniklinik Hamm ist Vorreiter für ein mehrstufiges Konzept der Suchtbehandlung, das sich in den 1970er-Jahren entwickelte und bis heute auf eine vernetzte und übergreifende Therapie setzt. Im Rahmen der stationären Behandlung durchlaufen die Patienten eine aufeinander aufbauende Reihe von Maßnahmen. Die meisten starten in der Suchtambulanz, in der die Therapieschritte festgelegt werden. Die folgende stationäre Behandlung beginnt oft mit einer dreiwöchigen Entzugsbehandlung. Parallel laufen im „qualifizierten Entzug“ die Fach- und Psychotherapien. Die Jugendlichen können anschließend auf einer jugendpsychiatrischen Station oder in einer suchtmedizinischen Rehabilitationsabteilung in der Klinik weiterbehandelt werden. Nach der mehrmonatigen Therapiephase kann sich ein Aufenthalt in einer therapeutischen Nachsorge-WG anschließen, in der die Jugendlichen auch über die Therapie hinaus in allen Lebensbereichen unterstützt werden. Hier besteht eine langjährige Kooperation mit den suchtspezifischen Wohngruppen „Auxilium“ der Malteser.

Weitere Informationen zum Therapiekonzept „Drug-Out“ gibt es im Internet: www.lwl-drug-out.de

 

Behandlung von medienbezogenen Störungen

Der Umgang mit Handy, Internet und digitalen Medien gehört heutzutage zum Alltag fast aller Menschen. Doch was, wenn das Computerspielen oder die Handy-Nutzung im Kindes- und Jugendalter dauerhaft wichtiger als der Kontakt zur Familie, zu Freunden oder dem Schulbesuch werden? Als Erweiterung des bestehenden suchttherapeutischen Angebots bietet die LWL-Klinik auch die Behandlung von medienbezogenen Störungen an. „Wenn die Kontrolle über die Mediennutzung verloren geht, das Spielen oder Chatten andere Interessen und Aktivitäten im Alltag verdrängt, eine überhöhte Bedeutung bekommt und trotz negativer Konsequenzen immer weiter fortgeführt wird, ist oft Beratung für Familien oder eine Behandlung notwendig“, sagt Noack. Die Patientinnen erhalten Motivation im Alltag, erlernen für sich und zusammen mit ihren Familien Sicherheit im kompetenten Umgang mit den Medien und können die Vielfalt des Lebens außerhalb von PC und Handy hier wieder neu für sich entdecken.

Pressekontakt:

Klaudia Suilmann, LWL-Universitätsklinik Hamm, Telefon: 02381 893-5018, klaudia.suilmann@lwl.org