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Mein Aufenthalt auf der Station B1 - Patienteninterview

Elias (*Name geändert), 18 Jahre alt, ist Patient auf der Station B1, um eine neue Perspektive für sich ohne Drogen zu finden. Im Interview erzählt er, was die größten Herausforderungen während seines Aufenthaltes in der LWL-Universitätsklinik Hamm waren und was sich inzwischen für ihn verändert hat.

Du bist jetzt seit etwas über vier Monaten in der Klinik. Was hast du für dich aus dieser Zeit bisher mitgenommen?

Vor allem habe ich für mich erkannt, dass der Drogenkonsum keine Lösung ist, um mit den eigenen Problemen klarzukommen. Ich denke, ich bin reifer geworden und es fällt mir wesentlich leichter, mich mitzuteilen. Ich hätte früher niemals mit Freunden oder meiner Familie über Dinge gesprochen, die mich beschäftigen, die mir Sorgen bereiten. Das ist inzwischen anders. Und auch meine Einstellung hat sich verändert – ich verspüre nicht mehr diese Ablehnung gegen dieses typische „Standardleben“.

Was meinst du denn mit typischem Standardleben?

Ich glaube, dass ich damals mit dem Kiffen angefangen habe, war eine Art Ausbruch, eine Flucht aus dem Alltag. Jeden Tag zur Schule gehen, Hausaufgaben machen, zwei Mal in der Woche zum Handballtraining – mich hat das alles nur noch genervt. Durch meinen Konsum von Cannabis kamen dann aber andere Probleme. Irgendwann griff ich auch zu härteren Drogen – hauptsächlich zu Crack und Heroin. Ich bin in diese Szene immer tiefer reingerutscht.

Wie kam dann die Entscheidung für den Klinikaufenthalt?

Vor dem jetzigen Aufenthalt war ich schon einmal in der Klinik. Ich hatte Unterstützung von einer Drogenberatungsstelle und meiner Familie. Der erste Klinikaufenthalt wurde aber frühzeitig abgebrochen, da ich konsumiert hatte. Ich bin danach zwar weiter zur Drogenberatung gegangen und habe auch die Schule wieder besucht, wurde dann aber von der Polizei beim Konsumieren erwischt und habe eine Auflage bekommen. Ich war da aber sowieso schon auf der Suche nach einem Platz, um noch einmal in den Entzug zu gehen.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in der Anfangszeit deines Aufenthaltes?

So ein Entzug ist alles andere als schön. Man erkennt im Nachhinein dadurch aber natürlich, was man seinem Körper da all die Jahre angetan hat. Es fiel mir anfangs auch sehr schwer, mit den Tagesstrukturen klarzukommen, da musste ich mich erst wieder dran gewöhnen. Ich habe aber für mich erkannt, dass ich mich auf die Unterstützung, die mir in der Klinik angeboten wird, einlassen muss, um wirklich etwas zu verändern.

Während deines Aufenthaltes hast du an verschiedenen Therapieangeboten teilgenommen. Was hat dir deiner Meinung nach besonders geholfen?

Ich denke, dass für mich besonders die Familientherapie sehr wichtig für mich war. Durch meinen Konsum kam es natürlich auch zu Streit, das war für uns alle nicht einfach. Darüber dann in der Klinik zu sprechen, hat mir und meinen Eltern sehr geholfen. Ich habe außerdem auch neue Interessen entdeckt. Vor meiner Konsumzeit war Sport, vor allem Handball und Basketball, immer ein großes Thema für mich. Das hatte ich durch den Konsum aber komplett aus den Augen verloren.  Während des Klinikaufenthaltes habe ich im Rahmen des Sportausgangs mit Kampfsport, asiatischer Selbstverteidigung, angefangen. Ich merke, dass meine Fitness schon wieder viel besser ist. Und ich bin dabei, Gitarre spielen zu lernen.

Dein Klinikaufenthalt ist bald zu Ende. Wie geht es dir mit diesem Gedanken?

Ich denke, dass ich für mich eine gute Perspektive gefunden habe. Ich freue mich darauf, nächstes Jahr wieder zur Schule zu gehen. Bis dahin würde ich die Zeit gerne mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr überbrücken und ich möchte unbedingt den Führerschein machen. Andererseits wird es natürlich eine Umstellung, die Klinik zu verlassen. Ich bin dann aber nicht auf mich alleine gestellt. Ich werde in eine Wohngruppe, in eine Facheinrichtung für junge Erwachsene mit Suchtmittelabhängigkeit gehen, wo ich Unterstützung dabei erhalte, clean zu bleiben.

Was würdest du anderen Kindern und Jugendlichen raten, die Angst vor einem Klinikaufenthalt haben?

Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen, für mich war der Klinikaufenthalt eine wirklich gute Sache. Ich sehe für mich jetzt wieder eine Perspektive. Ich kann nur dazu raten, sich Hilfe zu suchen, es mit dem Entzug wenigstens zu versuchen und sich dann auch auf die angebotene Unterstützung einzulassen.